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Millionen Kinder wachsen mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf - oft unbemerkt. Wie Schulsozialarbeit früh erkennen und stützen kann.
Rund 3,8 Millionen Kinder in
Deutschland wachsen mit einem psychisch oder suchtkranken Elternteil auf -
statistisch gesehen jedes fünfte Kind. In der Schule fallen diese Kinder oft
nicht sofort auf: Viele funktionieren äußerlich unauffällig, tragen aber eine
erhebliche stille Last.
Kinder psychisch erkrankter
Eltern tragen laut Studienlage ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, im
eigenen Leben selbst eine psychische Störung zu entwickeln. Internationale
Verlaufsstudien gehen sogar von 41 bis 77 Prozent aus, je nach Erkrankung des
Elternteils und weiteren Risikofaktoren. Der bundesweite Forschungsverbund
CHIMPS-NET (Children of Mentally Ill Parents), koordiniert am
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, vernetzt inzwischen 21 Standorte in
Deutschland, um Versorgung und Forschung in diesem Bereich zu verbessern.
Typisch - aber leicht zu
übersehen - sind sogenannte Parentifizierung (das Kind übernimmt elterliche
Verantwortung), auffällige Zuverlässigkeit und Überangepasstheit,
Schwierigkeiten, über Zuhause zu sprechen, sowie Scham- und Schuldgefühle.
Häufig verhindert genau diese Unauffälligkeit, dass frühzeitig Unterstützung
ansetzt.
Zentral ist ein verlässlicher,
nicht wertender Kontakt, der dem Kind signalisiert: Die Situation zu Hause ist
nicht seine Schuld. Psychoedukative Gruppenangebote - etwa nach dem Vorbild von
CHIMPS oder Programmen wie „ECHT STARK!“ - helfen Kindern, ihre familiäre
Situation besser einzuordnen und sich mit Gleichaltrigen in ähnlichen Lagen
auszutauschen.
Da die Problematik selten
isoliert auftritt, ist Vernetzung mit Jugendhilfe, kinder- und
jugendpsychiatrischen Angeboten sowie den Frühen Hilfen entscheidend.
Schulsozialarbeit kann hier eine wichtige Brückenfunktion übernehmen - als
niedrigschwelliger erster Kontaktpunkt, der auf spezialisierte Hilfen verweist,
ohne die Familie zu stigmatisieren.