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Hohe Belastung, unklare Strukturen, viele Einzelkämpfer:innen: Aktuelle Zahlen zeigen Handlungsbedarf. Ein Überblick über Ursachen und wirksame Gegenmaßnahmen.
Schulsozialarbeit lebt von
Beziehungsarbeit - und genau diese Nähe zu belasteten Kindern, Jugendlichen und
Familien macht das Arbeitsfeld emotional anspruchsvoll. Wie hoch die Belastung
inzwischen ist, zeigt die bislang umfassendste bundesweite Studie zum
Berufsfeld.
Die Studie „Schulsozialarbeit im
bundesweiten Vergleich“ (SibV) der htw saar befragte 2025 rund 5.070 Fachkräfte
online - etwa 28 Prozent des geschätzten Gesamtfeldes. Ein zentrales Ergebnis:
43 Prozent der Befragten haben in den letzten zwölf Monaten erwogen, ihre
Tätigkeit zu beenden, vor allem wegen hoher emotionaler Belastung. 44 Prozent
empfinden zu wenig Wertschätzung für ihre Arbeit, und einem Viertel fehlt die
Möglichkeit, bei Bedarf selbst Supervision in Anspruch zu nehmen. Das Feld ist
stark weiblich geprägt (80,1 Prozent), und bundesweit arbeiten 12,8 Prozent an
mehreren Schulen gleichzeitig - im Saarland sogar 41,9 Prozent.
Die hohe Belastung lässt sich
nicht allein mit persönlicher Widerstandsfähigkeit erklären. Häufig fehlen
klare Fach- und Dienstaufsicht, kollegialer Austausch vor Ort und verbindliche
Standards für Fallzahlen. Wer als Einzelkraft an einer Schule arbeitet, trägt
die fachliche Verantwortung oft allein - strukturelle Unterstützung ist daher
kein „Nice-to-have“, sondern Voraussetzung für nachhaltiges Arbeiten.
●
Klare Grenzen zwischen Arbeitszeit und Erreichbarkeit
definieren und kommunizieren.
●
Fallzahlen und Themen bewusst dokumentieren, um
Überlastung frühzeitig sichtbar zu machen.
●
Regelmäßige kurze Reflexionszeiten im Kalender fest
einplanen, nicht nur bei akuten Krisen.
●
Erfolge und kleine Fortschritte bewusst wahrnehmen,
statt nur auf ungelöste Fälle zu blicken.
Eine Befragung unter Fachkräften
in Düsseldorf zeigt, wie hoch der Nutzen konkret eingeschätzt wird: 74 Prozent
bewerten Supervision als hilfreich oder sehr hilfreich, 75 Prozent kollegiale
Fallberatung. Fortbildung erreicht mit knapp 80 Prozent Zufriedenheit sogar den
höchsten Wert. Wo Supervision im Arbeitsalltag fest verankert ist - etwa durch
feste Termine und trägerseitige Finanzierung - wirkt sie nachweislich
entlastend und qualitätssichernd zugleich.
Die SibV-Zahlen sind ein
deutliches Signal an Träger und Schulen: Selbstfürsorge allein reicht nicht,
wenn strukturelle Unterstützung fehlt. Verbindliche Supervision, kollegialer
Austausch und realistische Fallzahlen sind kein Luxus, sondern die Grundlage
dafür, dass Fachkräfte langfristig im Feld bleiben können.